Deutscher Wärmeschutztag 2017

Klaus-W. Körner, Vorstandsvorsitzender FIWBerlin – Mittlerweile kann von einer Traditionsveranstaltung gesprochen werden, wenn das Forschungsinstitut für Wärmeschutz (FIW) e.V. München zu seinem Deutschen Wärmeschutztag einlädt. Nachdem dieser über viele Jahre in München stattgefunden hat, war heuer zum zweiten Mal der EUREF-Campus in Berlin der Veranstaltungsort. Rund 100 Teilnehmer aus den Bereichen Energiewirtschaft, Bau, Wissenschaft, Forschung und Politik erörterten in Vorträgen und Diskussionsrunden das diesjährige Thema „Klimaschutzplan 2050 – Der Gebäudebereich in der Verantwortung“.

Offiziell eröffnet wurde der Deutsche Wärmeschutztag 2017 vom FIW-Vorstandsvorsitzenden Klaus-W. Körner. Seine Kernaussage für den Tag lautete: „Ohne den Gebäudebereich und insbesondere den Gebäudebestand wird die bisher nicht bewältigte Energiewende und damit das Erreichen der energie- und in der Folge klimapolitischen Ziele nicht gelingen“. Körner stellte in seinen Ausführungen weiter fest: „Wir haben aus der Energiewende nicht die nötige Wärme-, sondern eine Stromwende gemacht“. Hart ins Gericht ging der FIW-Vorstandsvorsitzende mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das ihm zufolge zu einer „beachtlichen Fehlallokation“ geführt hat: „Wir haben anstatt Energieeinsparung zu belohnen, Energieerzeugung honoriert, d.h. in einer wichtigen Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende, nämlich Efficiency First, die Welt auf den Kopf gestellt“. Der Aktualität geschuldet ging Körner auch auf die Brandkatastrophe von London ein: „Gebäudefassaden werden gedämmt, um die Energiebilanz von Häusern und Wohnungen zu verbessern. Das Bundesumweltministerium hat hierzu gerade klar Stellung bezogen. In Deutschland müssen aufgrund bestehender Brandschutzvorschriften hohe Sicherheitsstandards eingehalten werden. Bei Einhaltung der Vorschriften sagt das Ministerium, kann es nach menschlichem Ermessen zu einer derartigen Katastrophe nicht kommen. Auch die Deutsche Umwelthilfe sieht keine Sicherheitslücken: In Deutschland gelten für Dämmstoffe strenge Vorschriften, um die Brandgefahr zu minimieren, so die DUH. Wenn wir also in Deutschland in anderen Bereichen noch Nachholbedarf haben, schaut es hier besser aus als z.B. in Großbritannien“.

Der Schwerpunkt des Vortrags von Prof. Dr. Ottmar Edenhofer, stellvertretender Direktor am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) e.V., lag auf dem CO2-Preis. Er forderte: „Die CO2-Bepreisung durch Steuern oder das Emissionshandelssystem muss sich durchsetzen“. Edenhofer begrüßte, dass in den G20-Ländern zunehmend CO2-Preise entstehen. Ihm zufolge müssen diese dann auch sukzessive erhöht werden. Diese Maßnahme ist laut Edenhofer umso wichtiger, da fossile Energieträger langfristig günstig bleiben werden.

Staatssekretär Jochen FlasbarthDer Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit Jochen Flasbarth ging in seinem Redebeitrag auf die nationale Umsetzung des Klimaschutzplans 2050 ein. Er unterstrich, dass für die Bundesregierung weiterhin das Ziel gilt, 2050 einen klimaneutralen Gebäudebestand erreicht zu haben. Dabei lobte der Staatssekretär den gesellschaftlichen Konsens in der Bundesrepublik: „Deutschland ist ein klimaschutzenthusiastisches Land. Wir in der Politik spüren dabei immer die Bevölkerung im Rücken“. Flasbarth nannte für die Treibhausneutralität 2050 die Sektorziele der Bundesregierung. „43% haben wir jetzt schon erreicht im Gebäudebereich, 67% ist das Ziel bis 2030“. Den Energiemix der Zukunft sieht der Staatssekretär in Energieeffizienz plus erneuerbare Energien, die „uns allerdings nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen“. Fossile Heizsysteme haben für Flasbarth hingehen keine Zukunft mehr. Selbstkritisch gestand er ein: „Die Mehrinvestitionen im Gebäudebereich in dieser Legislaturperiode haben nicht gezündet. In der nächsten muss die steuerliche Förderung kommen“.

Thomas Silberhorn, MdBThomas Silberhorn, MdB und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, konzentrierte sich in seinem Referat auf den Klimaschutz aus Sicht der Entwicklungspolitik. Für ihn und sein Ministerium ist die Dekarbonisierung der Städte bei rasant zunehmender Weltbevölkerung das Gebot der Stunde. Laut Silberhorn ist dabei der Gebäudebereich eines der „wichtigsten Handlungsfelder“. Absolut im Vordergrund steht für den Parlamentarischen Staatssekretär dabei die Vermittlung von Wissen. In Mexiko hat das Ministerium die Entwicklung eines Bewertungssystems gefördert, ähnlich den deutschen Energieausweisen. Das Ergebnis sind 60.000 energieeffiziente Häuser, die in 2016 1,5 Mio. Tonnen CO2 eingespart haben. Die Rolle Deutschlands beim weltweiten Klimaschutz ist Silberhorn zufolge „immens wichtig“. Die Devise seines Ministeriums lautet: „Klimaschutz zuhause leben, international fördern“. Für „zuhause“ sprach sich Silberhorn vor allem für eine „deutliche Verringerung des Energieverbrauchs“ aus. „Wir Deutschen verbrauchen in einem Monat durchschnittlich so viel Energie wie die Senegalesen in einem Jahr und in einem Jahr fast so viel Strom wie alle afrikanischen Länder zusammen“. „Damit muss Schluss sein“, so Silberhorn; Deutschland habe eine Vorbildfunktion für die Welt und auch das notwendige Know-how dafür.

An der Podiumsdiskussion zum Thema „Klimaschutz im Gebäudebereich – Mehr Markt oder mehr Staat? – Ansichten der Parteien zur Bundestagswahl“, die von Stephan Kohler, Geschäftsführer der EnergyEfficienyInvest Eurasia GmbH, moderiert wurde, nahmen Abgeordnete aller im Bundestag vertretenen Parteien bis auf die SPD teil sowie ein Vertreter der FDP aus dem niedersächsischen Landtag. Für die CDU Thomas Bareiß, für die CSU Dr. Anja Weisgerber, für Bündnis 90/Die Grünen Dr. Julia Verlinden, für DIE LINKE Eva Bulling-Schröter, und für die FDP Christian Dürr. Dr. Anja Weisgerber sah „die steuerliche Förderung bei der Wärmedämmung als wichtigsten Hebel“ an. Unterstützung erhielt sie dabei von ihrem Unionskollegen Thomas Bareiß, der ein Plädoyer für mehr Marktanreize hielt: „Jeder steuerlich geförderte ein Euro löst bis zu sieben oder acht Euro Investitionen aus“. Dr. Julia Verlinden stellte der Bundesregierung ein „großes Versagen in der Klimapolitik“ aus. Sie mahnte eine aus ihrer Sicht längst überfällige Reformierung der Energiesteuer und -bepreisung an und forderte, die KfW-Förderung für einen Heizungstausch umgehend einzustellen. Eva Bulling-Schröter unterstrich die Position ihrer Partei für einen vollständigen Kohleausstieg. Ihr zufolge haben viele Bürger Angst vor einer energetischen Sanierung, daher müsste die Bundesregierung für „Sanierungsfahrpläne“ und generell eine bessere Beratung, auch gerade im Mittelstand, sorgen. Christian Dürr beantwortete die Hauptfrage der Runde für seine Partei klar mit „mehr Markt“. Er betrachtet eine Ausweitung des Emissionshandelssystems ETS als unabdingbar. Dabei darf es laut Dürr keinen Mindestpreis geben. Der Fraktionsvorsitzende der FPD im niedersächsischen Landtag fasste die Meinungen der Diskussion so zusammen: „Jede Partei hat verschiedene Instrumente und Konzepte im Wahlkampf in der Klimapolitik, aber alle haben das gleiche Ziel: einen besseren Klimaschutz“.

Prof. Dr.-Ing. Andreas Holm, geschäftsführender Institutsleiter FIWDen Schlussakkord beim Deutschen Wärmeschutztag setzte der geschäftsführende Institutsleiter des FIW Prof. Dr.-Ing. Andreas Holm, der allen nochmals das „riesige Potenzial“ im Gebäudebestand in Erinnerung rief: „75% aller Gebäude in Deutschland sind aktuell sanierungswürdig“. Die Frage, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung zog, ob mit den Technologien von heute das Energieziel 2050 erreicht werden kann, beantwortete Holm unmissverständlich: „Ja, es ist alles erfunden“. Damit die Umsetzung aber erfolgreich sein kann, sind laut dem FIW-Geschäftsführer drei Faktoren obligatorisch: Erstens eine Verbesserung des Wärmeschutzes, zweitens ein Austausch von alten Anlagen/Heizungen und drittens eine richtige Energie- und nicht nur Stromwende wie bisher.

Am Ende des Tages waren sich alle Teilnehmer einig, wie wichtig Veranstaltungen wie der Deutsche Wärmeschutztag sind und das nicht nur in einem Jahr, in dem eine Bundestagswahl stattfindet. Darum gab das FIW bereits bekannt, dass man auch 2018 wieder den Deutschen Wärmeschutztag plant; dann in einem Jubiläumsjahr, da das FIW 1918 gegründet wurde.

Kooperationspartner des diesjährigen Deutschen Wärmeschutztags waren die Deutsche Bauindustrie, BUVEG – Die Gebäudehülle, das Deutsche Energieberater-Netzwerk e.V., die Deutsche Energie-Agentur dena und die Gesellschaft für Rationelle Energieverwendung e.V. GRE. Das FIW bedankt sich bei seinen Partnern sowie der BASF und Qualitätsgedämmt e.V.

 

 


Veranstalter:

FIW München DENA
BuVEG Hauptverband der Deutschen Bauindustrie GRE - Gesellschaft für Rationelle Energieverwendung e.V. DEN

Forschungsinstitut
für Wärmeschutz e.V. München

dena

Bundesverband
energieeffiziente Gebäudehülle

Hauptverband der
Deutschen Bauindustrie

GRE - Gesellschaft für
Rationelle Energieverwendung e.V.

DEN - Deutsches Energieberater-Netzwerk e.V.


mit freundlicher Unterstützung von:



BASF Qualitätsgedämmt e.V.

 

 

BASF

Qualitätsgedämmt e.V.